Wertschöpfungsflüsse der Elektritzitätswirtschaft
21.10.2010
Archiv Prättigauer Post

Das Wirtschaftsforum Graubünden nimmt in seiner neusten Publikation die Wertschöpfung aus der Bündner Elektrizitätswirtschaft unter die Lupe.
Dabei wird aufgezeigt, wer in Graubünden von der Elektrizitätswirtschaft profitieren und wie die regionale Wertschöpfung weiter optimiert werden kann.
pd | Während die ersten beiden Berichte Strom – Bündner Exportprodukt mit Zukunft (2008) und Elektrizitätswirtschaft Graubünden – Trends (2009) die Frage nach den Potenzialen beleuchteten, soll mit vorliegender Studie insbesondere die Verteilung der Wertschöpfung in Graubünden dargestellt werden. Dabei zeigt sich, dass sich der Wertschöpfungsanteil an der Gesamtwirtschaft in den 13 Regionen Graubündens im Analysejahr 2008 stark unterscheidet, von beispielsweise
1 Prozent im Oberengadin bis zu knapp 40 Prozent im
Puschlav.
Nachfolgend werden die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammengefasst:
Binnenmarkt vs. Exportbranche
Insgesamt beträgt die regionale Bruttowertschöpfung der Elektrizitätswirtschaft in Graubünden rund CHF 510 Mio. Das sind 4.2 Prozent des kantonalen BIP. Von dieser Bruttowertschöpfung werden rund 70 Prozent in exportorientierten Sparten wie Produktion der Partnerwerke, Stromhandel und Hauptsitzaktivitäten der international tätigen
Repower erwirtschaftet. Die restlichen 30 Prozent werden in der binnenorientierten Stromversorgung der Bündner Haushalte, Gewerbe und Industrie generiert.
Periphere Regionen vs. Zentren
Typische Bündner Produktionsstandorte sind Regionen wie Bergell, Mesolcina/Calancatal, Mittelbünden, Puschlav, Surselva, Unterengadin oder Viamala. In diesen Regionen ist die Elektrizitätswirtschaft oftmals ein wichtiger Pfeiler der regionalen Wirtschaft. Da jedoch aufgrund der regionalen Wirtschaftsstruktur viele Vorleistungen wie zum Beispiel Kapitalbeschaffung, Ingenieur- oder Bauarbeiten ausserregional eingekauft werden müssen, fliessen beträchtliche Beträge aus der Peripherie in die Zentren ab, so zum Beispiel ins Bündner Rheintal und an ausserkantonale bzw. ausländische Firmen. Darüber hinaus fliesst der kantonale Teil der Wasserzinsen (Wasserwerksteuern), welche vom Kanton eingenommen wird, in Form von Steuerentlastungen an die Regionen zurück, wobei die bevölkerungsstärksten Regionen (Rheintal, Oberengadin, Davos) am meisten mitprofitieren.
«System Partnerwerk» vs. «System Repower»
Mit einer Wertschöpfung von rund CHF 200 Mio. – ca. 40 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung – kommt der im Puschlav beheimateten
Repower innerhalb der Elektrizitätswirtschaft Graubünden eine besondere Bedeutung zu. Im Zusammenhang mit der Repower ist zudem folgende Erkenntnis interessant: Aufgrund der heutigen Partnerwerkstruktur wird ein Grossteil des in Graubünden produzierten Stroms (rund 6100 GWh) zu Gestehungskosten an die Eigentümer im Mittelland (Axpo, EWZ, Alpiq, etc.) abgegeben und dort in Wert gesetzt. Die Wertschöpfung pro produzierte Kilowattstunde liegt in Graubünden bei rund 3.5 Rp. Auf die verbleibenden 1700 GWh Strom generiert die Repower hingegen aufgrund der verlängerten Wertschöpfungskette in Graubünden – insbesondere Vertrieb und Handel sowie Hauptsitzaktivitäten – eine Wertschöpfung von über 12 Rp./kWh. Würde also die gesamte Bündner Stromproduktion nach dem Vorbild der Repower verwertet (gleiches Businessmodell, internationale Ausrichtung, Sitz in Graubünden), resultierten für die Volkswirtschaft Graubünden Mehreinnahmen von ca. CHF 530 Mio.
Potenzial Pumpspeicherkraftwerke
Im Rahmen der weiteren Optimierung der regionalen Wertschöpfung wird im Bericht zudem die Bedeutung von Pumpspeicherwerken herausgehoben: Mit dem Ausbau von schwer regulierbaren Kapazitäten in Europa – vornehmlich Wind – wird der Bedarf an flexibel abrufbarer Spitzenenergie in Zukunft steigen. Für den Standort Graubünden bietet sich vor diesem Hintergrund die Chance, Projekte mit hoher Regulierbarkeit der Stromproduktion, insbesondere Pumpspeicherkraftwerke, voranzutreiben (siehe zum Beispiel das Projekt Lago Bianco).
Das Wirtschaftsforum Graubünden möchte mit seinem Beitrag grundlegende Fakten, Analysen und Hintergrundinformationen zum Thema Strom in Graubünden liefern und so den konstruktiven öffentlichen Dialog zum Thema Energie weiterführen.
Der Wertschöpfungsbericht sowie die bereits früher erschienen Studien «Strom – Bündner Exportprodukt mit Zukunft» (2008) und «Elektrizitätswirtschaft Graubünden – Trends» (2009) können beim Wirtschaftsforum Graubünden unter www.wirtschaftsforum-gr.ch oder info@wirtschaftsforum-gr.ch kostenlos bezogen werden.
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