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Pascal Spalinger
Jahrelang habe sich der Baumeisterverband an vorderster Front dafür eingesetzt, dass die Bauerei möglichst ohne grosse Hindernisse vonstatten habe gehen können, stellt Michel fest. Und nun werde den Tourismusgemeinden vorgeworfen, sie seien in Sachen Zweitwohnungsbau zu liberal gewesen. «Das ist scheinheilig», macht der Landammann seinem Ärger Luft. Die Gemeinde Davos sei zwar recht freizügig mit der Thematik umgegangen.
Man habe dann – beispielsweise durch die Einführung eines Höchstkontingentes von jährlich 6500 Quadratmetern Zweitwohnungsfläche im Jahr 2007 – eine moderate Einschränkung der Bautätigkeit erreichen wollen, sei aber bei der Volksabstimmung 2008 auf Widerstand seitens der Baumeister gestossen, was sie mit einer Plakatekampagne «2×Nein» klar dokumentierten. 2010 akzeptierten sie die genannte Quadratmeterzahl zwar, aber als unterste Grenze.
Er könne zudem eine ganze Reihe weiterer Beispiele diesbezüglich aufzählen, denke aber auch, dass Luratis Haltung nicht unbedingt deckungsgleich mit derjenigen sämtlicher Sektionen des Bündner Baumeisterverbandes sein müsse, erklärt Hans Peter Michel weiter.
Lenkungsabgabe ist legal
Zufrieden ist der Landammann damit, dass der Kanton kürzlich das Davoser Zweitwohnungsgesetz – und damit verbunden eine Lenkungsabgabe von 500 Franken pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche – in Kraft gesetzt hat. Damit sei nun wenigstens die rechtliche Grundlage da, dasjenige Geld zu behalten, das die letzten zwei Jahre bereits einbezahlt worden sei. Die ebenfalls beschlossene Senkung des Höchstkontingents für Zweitwohnungen von 6500 auf 4000 Quadratmeter pro Jahr habe hingegen keine Bedeutung, da durch die Annahme der Zweitwohnungsinitiative der Neubau solcher Wohnungen ab dem 1. Januar 2013 ohnehin nicht mehr möglich sein werde.
Kein Grund, sich betrogen zu fühlen
Im Gegensatz zu anderen Gemeinden hat Davos zu Massnahmen gegriffen, die den Zweitwohnungsbau zumindest etwas einschränken sollen. Dass diese Gemeinden im Gegensatz zu Davos nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative möglicherweise noch bis Ende Jahr uneingeschränkt weiterbauen können, macht Michel nichts aus. Im Gegenteil: «Wenn sich Gemeinden betrogen fühlen müssten, dann solche mit einem Zweitwohnungsanteil von knapp über 20 Prozent.» Davos selber habe einen Anteil von 55 Prozent. «6500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche als Kontingent sind nicht wenig, und die Baubewilligungen für 2012 und 2013 sind ohne zusätzliche Auflagen bereits erteilt.» Spezielle Reaktionen auf das Geschehene – beispielsweise in Form von markanten Änderungen bei den Immobilienpreisen – stellt der Davoser Landammann nicht fest, dafür «eine ziemliche Ruhe auf dem Wohnungsmarkt. Es besteht Unsicherheit». Man wolle jedoch nicht nur die Entwicklungen bei den Zweitwohnungen im Auge behalten, sondern auch durch verschiedene Massnahmen Verbesserungen für die Hotellerie schaffen. Denn diese sei ein wichtiger Eckpfeiler der Tourismusdestination. Wie diese Massnahmen aussehen könnten, hänge zum grossen Teil davon ab, welche Richtlinien der Bund für die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative vorgebe, meint Hans Peter Michel.
Wie weiter?
Man rechne damit, dass der Bund die Leitplanken bis im September bekanntgeben werde, sagt der Landammann. «Wir sind mit dem Kanton im Kontakt und wollen vor al-lem in den Bereichen Querfinanzierung, Definition einer Zweitwohnung und Umgang mit altrechtlichen Wohnungen eine möglichst liberale Position vertreten.» Die Zweitwohnungsinitiative bringe kurz- und mittelfristig zwar Nachteile, könne sich langfristig aber auch als Chance erweisen. «Obwohl wir vor vier oder fünf Jahren noch nichts von der Initiative wussten, haben wir das Kongresszentrum erweitert, und es entstehen auch darum neue Hotels. Zudem sind diverse Hotels saniert worden. Wir haben zwar einen schwierigen Weg vor uns, haben aber keine schlechten Karten, da wir meines Erachtens auf das richtige Pferd gesetzt haben», ist sich Michel sicher. Die Destination sei auf lange Sicht hinaus nicht schlecht aufgestellt, auch wenn zu befürchten ist, dass einige Arbeitsplätze verloren gehen. «Es lohnt sich nicht, zurückzuschauen und zu jammern. Wir müssen nun vorwärts blicken und das Beste aus der Situation machen.»
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