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Andreas Frei
«Look at that weather!», entfährt es einem dem Akzent nach aus Übersee stammenden Davos-Gast, als die Bahn kurz vor der Bergstation langsamer wird. Tatsächlich, auf dem Weissfluhjoch scheint die Sonne – anders als in Davos unten. Die Kleidung mit dem diskreten Interbourse-Logo weist den begeisterten Mann als Teilnehmer des diesjährigen Interbourse-Events aus. Nach 1981 und 1995 findet dieser heuer zum dritten Mal in Davos statt. Durchgeführt wird der Wintersport-Anlass für Börsianer seit 44 Jahren.
Im Wandel der Zeit
«Ursprünglich entstand er aus dem Gedanken, sich beim Skifahren auch einmal gesellschaftlich zu treffen. Früher hatten die Leute an der Börse ja noch persönlich – oder zumindest telefonisch – miteinander zu tun», sagt Mitorganisator Mike Widmer. Mit den enormen Veränderungen im Finanzsektor habe sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch der Anlass verändert. «Im Zeitalter der elektronischen Börsen trifft man sich ja nicht mehr. Unser Anlass schafft die Möglichkeit, sich zu treffen. Natürlich geht es dabei nicht nur um den Wintersport. In dieser Branche ist Networking sehr wichtig. Wenn so viele internationale Vertreter derselben Berufsgruppe an einem Ort versammelt sind, spricht man zwangsläufig auch übers Geschäft.» Das könne sehr bedeutungsvoll sein. Immerhin sind unter den dieses Jahr knapp 400 Teilnehmern und Teilnehmerinnen Börsianer, unter anderem aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, den USA, Kanada und den Niederlanden.
Krise auch ein Thema
Früher waren es noch mehr. «In der Blütezeit der Branche kamen sicher 600 Teilnehmer zusammen. Aber auch hier macht sich die Krise bemerkbar», sagt Widmer. Ist diese denn überhaupt ein Thema, wenn sich so viele Börsenprofis an einem Ort treffen? Widmer bejaht: «Also zumindest am Rande schon. Es fällt natürlich auf, dass beispielsweise die Zahl der Teilnehmer aus Übersee massiv geringer ist als früher. Dass darunter aber die ganze Stimmung des Events leiden würde, ist nicht der Fall.»
«Davos ist fast zu gross»
Dies bestätigen auch drei Teilnehmer aus den Niederlanden, die in ihren auffälligen orangen Skijacken auf der Terrasse des Restaurants sitzen. «Wir lassen uns die Stimmung dadurch nicht vermiesen. Aber es wäre unehrlich zu sagen, dass die Krise überhaupt kein Thema ist. Das massiv grössere Thema sind allerdings die grossartigen Verhältnisse, die hier in Davos herrschen», schwärmen die Männer, die an der Amsterdamer Börse arbeiten. Die Frage, ob es ihnen gefällt, beantworten sie denn auch breit grinsend mit einem langen «Neiiiin!». Die Stimmung sei toll, lobt ein anderer Teilnehmer, der, wie er sagt, schon 1995 dabei war, als Interbourse letztmals in Davos stattfand. «Allerdings», so schränkt der Mann ein, «ist mir Davos fast etwas zu gross. Letztes Jahr waren wir in Ischgl, das war dörflicher. Davos ist wirklich eine Stadt. Das hat aber auch Vorteile, man findet hier alles, was man braucht. Aber wenn man morgens um 3 Uhr irgendwo im Platz aus der Bar kommt und nur noch weiss, dass das Hotel im Dorf ist, kann man schon etwas verloren sein», meint er augenzwinkernd. Ein Kollege meint mit gespielt geschäftsmässiger Miene: Jetzt, da ein Journalist anwesend sei, könne man endlich die Idee diskutieren, nur noch Vertreter von «Tripple A»-Ländern zu Interbourse zuzulassen – Gelächter am Tisch.
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