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Während auf der Welt der Trend zur Abspaltung immer kleinerer Staaten anhält, wird in der Schweiz allseits an der Zusammenlegung von Gemeinden gebastelt. Auch das Prättigau ist davon nicht ausgenommen.
Johannes Haltiner
Bereits haben sich im Juni die Gemeinden Fanas, Valzeina und Grüsch für eine Fusion ausgesprochen. Wenn es allerdings nach dem Willen einiger Befürworter im Bündner Grossen Rat gehen würde, müssten solche Fusionen weit grösseres Ausmass annehmen, vielleicht nach dem Beispiel im Kanton Glarus, wo aus 15 Gemeinden gerade einmal 3 werden. Auch für das Prättigau wurde schon vom 3-Gemeinden-Plan gesprochen, Vorder-, Mittel- und Hinterprättigau.
Von unten nach oben
Getreu der Vorstellung, dass Gemeindefusionen von unten, d. h. von den Gemeinden selbst, gewollt und eingeleitet werden müssen, findet dieser Plan im Prättigau vorderhand keine Zustimmung. Denkbar sind allerdings weitere Zusammenschlüsse. So gelten als weitere Schritte der Zusammenschluss der Gemeinden Furna, Jenaz und Fideris, St. Antönien und Luzein sowie von Küblis, Conters und Saas mit Klosters-Serneus. Das ergäbe bereits eine Reduktion der heute 14 Gemeinden auf deren 6.
Druck von oben
Wenn die Bündner Regierung auch betont, keinen Druck auf die Gemeinden auszuüben, um Fusionen voranzutreiben, so verhehlt man beim Kanton nicht, dass man dieser Entwicklung mit Genugtuung entgegensieht, und, wo nötig, auch bereit ist, sanften Druck auszuüben. Dies geschieht am einfachsten über die Finanzierung. Mit der Ablehnung des Gesetzes über die Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden (Mantelgesetz über die Bündner NFA) durch das Bündner Volk am 7. März dieses Jahres ist das grösste Schreckgespenst der Fusionsgegner vorläufig vom Tisch. Eine Neuauflage ist aber bereits in Aussicht gestellt. Auch das überarbei-tete Gesetz wird den Gemeinden eine grössere Beteiligung an die Kosten z. B. der Schulen bringen. Für kleinere Gemeinden eine kaum zu bewältigende Last.
Keine Eile
Wenn man bei den Gemeinden herumhört, so bemerkt man bald einmal, dass man gerne davon spricht, hier keine Eile ausmachen zu können. Kein Gemeindepräsident und kein Gemeinderat will gerne in die Geschichte seiner Gemeinde eingehen als derjenige, der die Souveränität aufgegeben hat und die einst stolze (aber arme) Gemeinde zur Fraktion einer grösseren gemacht hat. Man spricht hier gerne vom Freiheitsdrang der Walser, aber auch bei den Romanen geht das nicht einfacher. «Il pur suveran» gibt es nicht nur im Lied! Es eilt genau so lange nicht, als es allen gut geht. Sollten sich die Auswirkungen der Finanzkrise dennoch bis in den hintersten Winkel Graubündens durchschlagen, was nicht auszuschliessen ist, ist dann plötzlich Eile angesagt. Da sind diejenigen dann besser dran, die sich schon vorher darüber Gedanken gemacht haben. Das Beispiel der Gemeinden Valzeina und Fanas, die sich Grüsch anschliessen, hat gezeigt, dass es geht, wenn man will.
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