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Das Fass ist übergelaufen

08.07.2010 Archiv Davoser Zeitung

Offenbar ist die geplante Überbauung auf dem «Derby»-Areal der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nun wird eine Initiative lanciert, die die Gemeinde dazu auffordert, in Davos Flächen für die Hotelnutzung zu erhalten. Noch hat die Sammelfrist nicht einmal begonnen, doch erfährt der Vorstoss bereits jetzt breite Unterstützung.

 

Barbara Gassler

 

Grundsätzlich verlangt die Initiative schlicht, dass genügend Flächen für Hotelnutzung innerhalb des Siedlungsgebietes zu erhalten seien. Wörtlich heisst es im Initiativtext: «Dazu sind im Siedlungsgebiet der Gemeinde Davos primär jene Areale auszuscheiden, welche schon bisher hotelmässig genutzt worden sind oder sich für diesen Zweck besonders eignen. Auf diesen Flächen ist mit raum-planerischen Mitteln dafür zu sorgen, dass mindestens 70 Prozent der zulässigen Bruttogeschossflächen mit einer Hotelnutzung belegt werden. Wobei davon 20 Prozent als Läden genutzt werden dürfen. Die maximale Wohnnutzung darf höchstens 30 Prozent der zulässigen Bruttogeschossfläche betragen. Dabei sind insbesondere die Areale ‹Derby› und Hotel Lohner/Casa al Bosco zu sichern.»

 

Breite Unterstützung

 

Hinter der Initiative steht ein Komitee bestehend aus Christian von Ballmoos sowie den Parteivertretern Christian Stri­cker (GLP) sowie Herbert Mani (BDP). Ein Hinweis auf die Dringlichkeit des Vorstosses ist das breite Willkommen, das er bereits in dieser frühen Phase geniesst. Die Grossen Landräte Stefan Walser (SP) und Rolf Marugg (Grüne) sowie die BDP-Grossräte Elisabeth Mani-Heldstab und Rico Stocker haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. Auch Dino Brazerol (CVP) findet die Initiative grundsätzlich gut, fragt sich aber, weshalb der Kleine Landrat nicht schon lange reagiert habe, und erklärt auch gleich, wo der Schuh drückt: «Die bunkermässigen Bauten auf dem ‹Derby›-Areal sind schlimm, und das Gleichgewicht zwischen Hotel- und Zweitwohnungsbauten läuft aus dem Ruder.»

 

Hoteliers: Ja, aber …

 

Ähnliche Befürchtungen hegen auch der Initiative gegenüber grundsätzlich positiv eingestellte Hoteliers: «Ich unterstütze alles, was die Hotellerie stärkt und gegen die kalten Betten wirkt», erklärt zum Beispiel Ernst Wyrsch, Direktor des Hotels Steigenberger Belvédère. «Beim ‹Derby› war immer die Grundidee, ein Hotel zu erstellen. Ich hoffe, dass aufgrund der Empörung hier die Investoren ihre Pläne noch einmal überdenken.» Ähnlich klingt es bei Jean-Pierre Galey, Direktor im ArabellaSheraton Hotel Seehof: «Gerade eben sagten wir Ja zu einem erweiterten Kongresszentrum. Ohne die entsprechenden Hotelbetten dazu nützt uns dieses jedoch nichts.» Klar sei, dass niemand Hotels ohne einen Anteil an Wohnungen bauen könne. Daher müsse über das Verhältnis zwischen den beiden diskutiert werden. Das ist auch der Grund, warum Jürg Zürcher, Direktor des Hotels Sunstar, obwohl er die Pläne beim «Derby» als fatal einstuft, zuerst prüfen will: «Wenn Hotelareale umgezont werden, könnten Betriebe, die nicht sauber auf den Ertragswert finanziert sind, ein Problem bekommen. Die Konsequenzen der Initiative müssen ganz genau überdacht werden, und wir müssen aufpassen, dass wir da kein Eigentor schiessen.» Zuversichtlicher ist da Herbert Mani: «Ein Verhältnis von 70 zu 30 Prozent ist vertretbar, und ich glaube, dass zukunftsorientierte Hotelprojekte von den Banken auch unterstützt werden.»


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