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Zweitwohnungen statt ein Hotel auf dem «Derby»-Areal, und auch bei anderen Bauprojekten – beispielsweise beim «Hotel Rinaldi» – weiss man nicht so recht, was nun eigentlich los ist. Sind Bauamt und Bevölkerung zu gutgläubig?
Pascal Spalinger
Laut Urs Hoffmann von der Baulink AG habe man im Bezug auf die Frage, wie es in Sachen «Hotel Rinaldi» weitergehen soll, Stillschweigen vereinbart. Man habe praktisch alles beisammen, es fehlten nur noch Kleinigkeiten. Eigentlich hätte man im Frühjahr 2010 mit dem Bau des Hotels an der Promenade, nahe dem Kongresszentrum, beginnen wollen. Zur Mitfinanzierung des Viersternehauses auf dem Gelände des Hotels «Lohner» und der Liegenschaft «al Bosco» sollten laut einer Vereinbarung zwischen Bauherrschaft und Bauamt vom Herbst 2008 auf dem Areal des ehemaligen Hotels «Rinaldi» 24 Eigentumswohnungen entstehen. Dies mit der Erlaubnis, deren Bau leicht vorzuziehen. Die Wohnungen sind schon beinahe bezugsbereit, derweil beim Hotel noch nicht einmal der Spatenstich erfolgt ist. Dies lässt Spekulationen freien Lauf, wonach die Bauherrschaft dank Bezahlung einer Lenkungsabgabe zwar die Wohnungen bevölkern darf, aber auf Jahre hinaus von einem Hotelprojekt Abstand nehmen könnte.
Grosse Unsicherheit
Fazit: Man steht wieder einmal vor anderen Tatsachen, als vor Baubeginn abgemacht wurden. Dies ist in den letzten Jahren bei verschiedenen Bauprojekten so passiert. Das lässt einerseits die Unsicherheit entstehen, in welcher Form die Bauprojekte dann tatsächlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden – unangenehme Überraschungen inbegriffen. Andererseits stellt sich auch die Frage, ob Behörden und Bevölkerung in der Vergangenheit zu leichtgläubig waren.
Nicht über den Tisch gezogen
Dass man sich in der Vergangenheit über den Tisch habe ziehen lassen, mag Landammann Hans Peter Michel nicht gelten lassen. Allerdings muss er eingestehen, dass man beispielsweise 2004 in der Botschaft zur Umzonung des «Derby»-Areals dem Volk sagte, es sei eine Hotelnutzung vorgesehen. Warum die heute geltenden Bedingungen – die offensichtlich auch den Bau von Zweitwohnungen zulassen – so ausgehandelt wurden und kein Zwang zur Hotelnutzung bestehe, entzieht sich jedoch seiner Kenntnis. Michels Grund: Er habe sich damals als Statthalter mit Schule und Sozialamt befasst, nicht mit Raumplanungsfragen. Ab 2005 habe er sich als Landammann «immer und immer wieder» für eine Einschränkung des Zweitwohnungsbooms und die Förderung von Hotels eingesetzt.
Augen auf!
Hans Peter Michel weist darauf hin, dass die Anzahl Hotels in Graubünden in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen sei. Den Boom an Zweitwohnungen bestätigte auch Peder Plaz vom Wirtschaftsforum Graubünden. In Davos fehlten zwei Viersterne-hotels. Eine Liegenschaftensteuer oder zusätzliche Lenkungsabgaben zur Eindämmung des Zweitwohnungsbaus seien in der Vergangenheit gescheitert, erklärt Michel. Er hoffe darum, dass der Fall «Derby» der Bevölkerung die Augen öffne und man die Bautätigkeit inskünftig kritischer beobachte.
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