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| FR 10.09.2010 | ||||||||
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Etwas mehr als ein Jahr ist vergangen, seit der Kanton im ehemaligen Sportlager Schiabach ein Transitzentrum für Asylsuchende eröffnet hat. Eine Bilanz zeigt: die anfänglichen Befürchtungen in der Davoser Bevölkerung haben sich zerstreut. Es stellt sich allerdings noch die Frage nach der Kostenverteilung.
Marlène Clemenz
Seit dem 1. März 2009 ist das ehemalige Sportlager Schiabach das vorübergehende Zuhause Asylsuchender verschiedenster Nationen – die meisten stammen laut Angaben des kantonalen Amts für Polizeiwesen und Zivilrecht aus den Krisengebieten Eritrea, Somalia, Irak, Sri Lanka und Afghanistan. «Die Anzahl Bewohner variiert stetig», sagt Beda Egger, Abteilungsleiter Asyl und Massnahmenvollzug. Die durchschnittliche Belegung des Transitzentrums (TRZ) Schiabach, welches im Extremfall bis zu 115 Asylsuchenden Platz bieten kann, beläuft sich auf rund 70 Personen. Dies bei einer Tiefstbelegung mit 42 Personen im März vergangenen Jahres und einer Höchstbelegung mit 82 im Oktober. Der durchschnittliche Frauenanteil beträgt zirka 10 Prozent.
«Gut aufgenommen»
«Die Davoser Bevölkerung spürt kaum etwas vom Transitzentrum. Schön, dass alles so reibungslos läuft», freut sich Landammann Hans Peter Michel. Auch Zentrumsleiter Hansjörg Hunziker zieht eine positive Bilanz: «Die Davoser haben uns nach anfänglicher Skepsis sehr gut aufgenommen.» Immer wieder kämen Leute, um das TRZ zu besichtigen, und so mancher habe schon gesagt, er habe seine vorgefasste Meinung revidiert. Das Zusammenleben der Asylsuchenden bezeichnet Hunziker als harmonisch. «Kleinere Reibereien sind natürlich nicht zu vermeiden, wenn so viele Personen verschiedenster Nationalität und mit ganz unterschiedlichen Hintergründen auf relativ engem Raum zusammenleben», erklärt er. Zweimal hätte der Nachtpikett-Mitarbeiter zur Schlichtung handgreiflicher Auseinandersetzungen die Polizei gerufen. Aus der Bevölkerung liege lediglich eine Reklamation wegen Lärmbelästigung vor, weiss Michel, der von Amtes wegen Einsicht in sämtliche Polizeirapporte hat. Die insgesamt fünf Zentrumsmitarbeitenden übernehmen vor allem eine Kontrollfunktion, unterstützen die Asylsuchenden aber auch bei der Arbeitsvermittlung und bieten Deutschkurse an. «Beide Angebote werden rege genutzt», sagt Hunziker und fügt hinzu: «Die meisten erwerbsfähigen Asylsuchenden wollen eine Anstellung, damit sie ihre Lebensqualität verbessern und etwas Geld in ihre Heimat schicken können.» Die durchschnittliche Erwerbstätigkeit in der laufenden Wintersaison beträgt rund 16 Prozent.
Acht Flüchtlinge anerkannt
Die finanzielle Unterstützung jener Asylbewerber, die aus gesundheitlichen oder familiären Gründen erwerbsunfähig sind, geht vollumfänglich zulasten des Kantons. Doch wie sieht es bei den anerkannten Flüchtlingen aus? Nach Angaben des Sozialdienstes der Gemeinde Davos hat dieser seit der Eröffnung des TRZ Schiabach acht anerkannte Flüchtlinge betreut, wovon vier bereits aus Davos weggezogen sind. Die Kosten, welche die Gemeinde im Jahr 2009 für die anerkannten Flüchtlinge aufgewendet hat, belaufen sich auf 22658 Franken. Diese werden gemäss des Gesetzes über den Lastenausgleich für bestimmte Sozialleistungen zwischen Gemeinde und Kanton aufgeteilt: 33,33 Prozent, also knapp 8600 Franken, muss demnach die Gemeinde Davos übernehmen, während der Kanton für 26,67 Prozent (5600 Franken) aufzukommen hat. Die restlichen 40 Prozent (8425 Franken) werden im Zuge des Las-tenausgleichs auf sämtliche Bündner Gemeinden verteilt – je nach Einwohnerzahl sowie Höhe des Steuersubstrats und der Gesamtaufwendungen im Sozialbereich bedeutet dies für die einzelnen Kommunen Nachzahlungen oder Rückvergütung – im Falle von Davos ist fürs 2009 Letzteres der Fall.
Gesetz gleich Gesetz?
Die gesetzlich festgelegten 33,33 Prozent Gemeindeanteil sind aus Michels Sicht allerdings nicht in Stein gemeisselt: «Bereits im Vorfeld wurde mir seitens des Kantons versprochen, dass der Gemeinde Davos keine Kosten entstehen. Das nehme ich für bare Münze, und für die Einhaltung dieses Versprechens setze ich mich ein.» Er werde darum in nächster Zeit das Gespräch mit dem Kanton suchen.
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