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Senioren besser als ihr (angeschlagener) Ruf

05.08.2008 Archiv Klosterser Zeitung

Aus dem Generationenbericht des Nationalen Forschungsprogramms (SNF)

 

Das Nationale Forschungsprogramm der Schweiz «Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel» veröffentlichte in diesen Tagen den Generationenbericht NFP 52.

 

In der öffentlichen Debatte finden Konflikte zwischen Alt und Jung viel Beachtung. Das Stereotyp der Alten als Profiteure hat dasjenige der rebellischen Jugend verdrängt.
Die Schweizer Gesellschaft wird älter. Während von den Frauen mit Jahrgang 1940 nur ein Siebtel kinderlos blieb, ist es bei den 1965 geborenen schon fast ein Drittel. Der Geburtenrückgang geht mit einer massiv gestiegenen Lebenserwartung einher: Um 1900 lag sie bei 47 Jahren, heute liegt sie bei über 80 Jahren.

Die Last der Alten
Alle demografischen Szenarien zeigen, dass in Zukunft weniger Erwerbstätige für mehr Rentner aufkommen müssen. Wer jedoch glaubt, dass den Jungen fehlt, was den Alten zukommt, und dass diese von den Erwerbstätigen profitieren, geht von falschen Voraussetzungen aus. Die Zusammenhänge sind komplexer. Alte Personen brauchen medizinische Hilfe – und verhelfen so jüngeren Personen zu Arbeit und Lohn. Wohl veranlasst der Staat im Rahmen der Gesundheitsversorgung finanzielle Transfers von Jung zu Alt – doch die verändern sich mit der demografischen Alterung überraschend wenig, weil die Gesundheitskosten primär in Abhängigkeit von der Nähe zum Tod steigen und nicht mit dem nummerischen Alter.

Generationenbilanz
Die sogenannten Generationenbilanzen berechnen, wie viele Steuern, Gebühren, Prämien etc. eine Generation dem Staat abliefert und wie viel sie in Form von Renten, Familienzulagen, Bildungs- und Gesundheitsausgaben bezieht. Solche Bilanzen sind heikel, weil sie stark von ökonomischen Prognosen und Änderungen der sozialpolitischen Rahmenbedingungen abhängen. Vor allem aber blenden sie alle privaten Transfers zwischen den Generationen aus. Und die sind sehr gross.

Grossmütter leisten viel Arbeit
So wird in Schweizer Haushalten viel geerbt, mehr sogar als gespart. Im Jahr 2000 etwa wurden in der Schweiz 28,5 Milliarden Franken (fast sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts) in Form von Erbe umverteilt.
Beachtlich sind auch die nichtfinanziellen Transfers von Alt zu Jung. Grosseltern betreuen Kleinkinder, unentgeltlich und insgesamt während 100 Mio. Stunden pro Jahr, was ungefähr einer Arbeitsleistung von zwei Milliarden Franken entspricht. 80 Prozent dieser Arbeit werden von Grossmüttern geleistet. Umgekehrt werden hochaltrige Menschen oft privat gepflegt. Nur ein Fünftel der über 80-Jährigen lebt im Alters- oder Pflegeheim, sechs von zehn zu Hause lebenden Pflegebedürftigen werden von Angehörigen betreut. Der Wert der privaten Pflegearbeit beträgt schätzungsweise jährlich 10 bis 12 Milliarden Franken.

 

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