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Abschied als Gemeindepräsident

18.12.2008 Archiv Klosterser Zeitung

Diejenigen Leute, welche mich etwas näher kennen, wissen, dass es jetzt sehr viel Kraft brauchen würde, wahrscheinlich zu viel Kraft, um zum Ausdruck zu bringen, was mich in diesem Moment im Innersten bewegt. Es sind so viele erlebte zwis

 

Rudolf Hübscher

 

Werte Mitglieder aller Behörden, liebe Einwohner, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr geehrte Gäste

 

Als für die Gemeinde tätige Menschen stehen wir jederzeit im Licht der Öffentlichkeit. Jede und jeder von uns ist den Einwohnern und meist auch den Gästen als öffentliche Person zugänglich. Diese Art der Öffentlichkeit schafft das Bild des Politikers und des Gemeindeangestellten, wie es von aussen empfunden wird.

 

Zwei Bilder
Dann gibt es da allerdings noch die eigene Sicht, das Bild, das man sich selber macht, das man sozusagen als Innensicht der eigenen Person mit sich herumträgt all die Jahre.
Beide Bilder – das äussere und das innere – sind nicht unbedingt deckungsgleich. Zur Rechenschaft vor sich selbst, vor dem eigenen Bild, gehört beispielsweise die Suche nach den Motiven für dieses oder jenes Tun, für diese oder jene Unterlassung oder auch für das, was man vergeblich versucht hat.
Soweit der Blick auf die Person, die heute Adieu sagt. Nun der Blick auf diejenigen, von denen er Abschied nimmt. Mein erster Dank gilt allen Menschen, mit denen ich gemeinsam etwas gestalten und aufbauen durfte, die mir als bekannte und unbekannte Begleiterinnen und Begleiter in Stunden des Entscheidens häufig Mut gemacht oder Gewissheit vermittelt haben.
Er gilt ebenso den besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die ich vielleicht enttäuscht habe, sei es aus Unachtsamkeit oder aus anderer Einsicht.
Er gilt schliesslich allen, mit denen ich Streitigkeiten ausfechten musste oder um Weichenstellungen kämpfen durfte: Behörden, Parteien, Gruppierungen, Einzelpersonen. Wir haben es einander nie leicht gemacht, aber der schwierigere Weg ist oft der ehrlichere. Langfristig haben sich unsere Auseinandersetzungen immer gelohnt.
Mein zweiter Dank gilt dem Personal. Die Gemeinde kann auf hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen. Viele von ihnen leisten ein gewaltiges Arbeitspensum. Sie haben den Vergleich mit der Wirtschaft in keiner Weise zu fürchten. Ich habe mit vielen eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet, ohne dass wir den notwendigen Disputen aus dem Weg gegangen wären.
Einen dritten, aber besonders gewichtigen Dank habe ich an dieser Stelle meiner Familie abzustatten, meiner Frau und den Töchtern. Ihnen gegenüber stehe ich in grösster Schuld. Das Amt hat mich oft genug voll und ganz absorbiert. Ohne die Einbettung in die Familie wäre diese präsidiale Tätigkeit kaum tragbar gewesen. So sind es denn meine Nächsten, meine Liebsten, denen meine Arbeit in der Öffentlichkeit am meisten Verzicht abverlangt hat.

 

Der Blick nach vorn
Erlauben Sie mir noch einen Blick nach vorn: Wer die Grösse der Zukunftsprobleme erkennt, darf trotzdem nicht resignieren. Er entscheidet sich, dem Prinzip Hoffnung zu folgen. Dazu noch drei Stichworte:
1. Zunehmend wird über die Gegensätze geklagt. Es geht nicht darum, zur Durchsetzung einer Einheitsidee Mauern und Giebel niederzureissen, sondern um die solide Konstruktion eines Hauses, in dem auch Gegensätze Platz haben. Diese Art von Staatsverständnis hat sich in vielen Jahrzehnten herausbilden und festigen können, weil es zwar immer Gewinner und Verlierer gab; aber niemand hat auf die Dauer nur zu den Gewinnern oder nur zu den Verlierern gehört.
2. Solidarität ist für unsere Gemeinde weiterhin ein Prinzip, das zur Korrektur nackter Freiheit nötig ist. Auch wenn Solidarität um jeden Preis nirgends möglich sein wird, so ginge umgekehrt mit einer Entsolidarisierung eine tragende Säule verloren. Heute brauchen wir die Solidarität der Starken für die Gemeinde und bei den leistungsfähigen Starken ein Gesellschaftsverständnis, das die Schwachen nicht zurücklässt, sondern mitnimmt. Dafür brauchen wir im Gegenzug auch die Solidarität der Schwachen mit dem Staat.
 

 

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