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In einer Informationsveranstaltung orientierte das Elektrizitätswerk Davos (EWD) zusammen mit seinem Projektpartner, den zürcherischen Kraftwerken (ewz), über Pläne, am Flüelapass die Möglichkeit der Stromgewinnung durch Windkraft zu prüfen. In der kommenden Woche soll ein Windmessmast zur genaueren Abklärung aufgestellt werden.
Barbara Gassler
Das Projekt steht noch in einer sehr frühen Phase. Trotzdem ist es für den Vorsitzenden der Geschäftsleitung des EWD, Hans Jörg Meier, wichtig, die Öffentlichkeit von Anfang an mit einzubeziehen. «Ich erwarte nicht, dass alle an unseren Plänen Freude haben», sagte er in die Runde der interessierten Zuhörer, «aber wir sind bereit, von Anfang an mit allen Interessengruppen zusammenzuarbeiten.» Aufgrund von Messungen der Eidgenössischen Schnee- und Lawinenforschungsanstalt SLF weiss man bereits, dass sich der Flüelapass aufgrund der Windmenge grundsätzlich eignen könnte. Für einen wirtschaftlichen Windpark müssten etwa 6 bis 9 knapp 100 Meter hohe Mas-ten mit rund 100 Tonnen schweren Maschinen-Gondeln an der Spitze errichtet werden.
Hauptproduktionim Winter
Daran angebracht würden dann drei Propellerblätter von je 40 bis 45 Metern Länge und einem Gewicht von etwa 10 Tonnen. Damit wird deutlich, dass die Erreichbarkeit bei der Wahl des Standortes eine entscheidende Rolle spielt. «Auch auf der Flüelastrasse würde zur Bewältigung der Doppelkurven ein Baukran benötigt», gab Meier einen Vorgeschmack des Kommenden.
Viele Fragen gibt es vorher zu klären. Die wohl wichtigste dabei ist die nach der Windmenge. Entscheidend dabei ist eine gewisse Regelmässigkeit. Und da scheint der Flüelapass mit seiner kanalisierenden Form viel- versprechend. Besonders angetan sind die Verantwortlichen ausserdem von der Aussicht, rund 65 Prozent der Jahresproduktion im Winter generieren zu können. Das wäre die ideale Ergänzung zur Wasserkraft, die im Winter nur 35 Prozent der Gesamtmenge produziert, und würde auch dem tatsächlichen winterlichen Spitzenverbrauch in Davos entsprechen. Eine Zwei-Megawatt-Windturbine würde übers Jahr gerechnet etwa die Hälfte der Produktion des EWD-Kraftwerkes in Frauenkirch generieren, wurde in Aussicht gestellt.
Das Eis als Gegner
Wichtig ist allerdings, das Problem des Vereisens abzuklären. Dazu arbeitet man mit einer Forschungsgruppe am SLF unter der Leitung von Michael Lehning zusammen. «Bei Anlagen auf solcher Höhe besteht eine verstärkte Gefahr, dass Tröpfchen aus den Wolken festfrieren. Passlagen wie am Flüela sind allerdings weniger gefährdet, da hier eine spezielle Strömung herrscht», erklärte dieser und führte weiter aus, dass sie im Moment am Anfang dieses Projekts stecken würden und noch ungenügende Daten hätten. Grundsätzlich ist eine Turbine mit einer gewissen Vereisung funktionsfähig. Wie oft die Anlage zum zwei bis drei Stunden dauernden Enteisen abgeschaltet werden müsste, würde allerdings auch über die Wirtschaftlichkeit entscheiden.
Rechnet es sich?
So geht es bei den nun in Angriff genommenen Messungen eigentlich nur um die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage. Dazu kommt, dass nicht nur schweres Gerät auf den Berg, sondern der Strom auch wieder ins Tal transportiert werden müsste. «Es würde eine Kabelleitung werden», beruhigt hier Meier, «allein schon der Lawinen wegen.» Ein Projekt dieser Grössenordnung ist für das EWD natürlich nicht allein zu bewältigen, weshalb man sich als Partner die ewz gesucht hat. Dort sei man per Gesetz verpflichtet, erneuerbare Energien zu fördern und bis 2018 200 GWh pro Jahr aus Wind zu gewinnen, erklärte Peter Müller, Projektleiter Anlagen Erneuerbare Energien, das Interesse am Flüela. Wie später Kosten und Erträge aufgeteilt werden sollen, ist gegenwärtig noch offen. Die aktuell anfallenden Kosten werden von den beiden Partnern zu gleichen Teilen getragen.
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