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Davos hat nun nicht nur drei Schwesterstädte, sondern auch einen Brudersee: den Blauen See in St. Peters-
burg. Wozu? Um die Petersburger Bevölkerung für eine saubere, intakte Umwelt zu sensibilisieren. Hierfür weilte vergangene Woche eine 14-köpfige russische Tourismus- und Mediendelegation in der «Vorbild-Destination»Davos. Für diese eine hervorragende Gelegenheit, ihre Stärken gratis und franko in Russland zu präsentieren.
Marlène Clemenz
Grosser Medienrummel vergangenen Freitag beim Von-Sprecher-Haus. Medienrummel vor allem von russischer Seite: Nicht weniger als elf Vertreter von vier Zeitungen und zwei TV-Nachrichtensendern aus St. Petersburg waren nach Davos gereist, um die «Vereinigung» der Bruderseen zu dokumentieren. Auch drei Repräsentanten der Petersburger Tourismus-Organisation wohnten der feierlichen Zeremonie bei. Die hochkarätige Delegation war der Einladung von Dr. Tamaz Mchedlidze gefolgt, einflussreicher Geschäftsmann, Besitzer von 18 Zahnkliniken in Russland und Patron des Brudersee-Projekts.
Ein Schluck Michels schlägt hohe Wellen
Seit vier Jahren verbringt Mchedlidze jeweils zwei Mal jährlich mit seiner Familie Urlaub in Davos. «Ich war sofort in Davos verliebt, vor allem in den See», schwärmte er, während er – tatsächlich liebevoll – auf dessen spiegelglatte Oberfläche blickte. Was ihn besonders fasziniert: Die Sauberkeit in und rund um den Davosersee. «In der Umgebung von St. Petersburg gibt es Dutzende wunderschöner Seen», erklärte Mchedlidze begeistert, fügte aber sogleich betrübt hinzu: «Leider scheren sich viele Leute nicht um eine intakte Umwelt. Die Gewässer und besonders deren Ufer sind total zugemüllt.» Ein Zustand, den auch Landammann Hans Peter Michel bestätigt – und bedauert. Zwei Mal weilte er bereits in St. Petersburg, zuletzt im vergangenen Juni. Auf Wunsch Mchedlidzes, den Michel vor vier Jahren in Davos kennengelernt hatte, brachte er eine Flasche mit Davosersee-Wasser mit, um dieses symbolträchtig in den Blauen See zu schütten. Dies allerdings erst, nachdem er einen kräftigen Schluck des heimischen Seewassers getrunken hatte, was, so Michel schmunzelnd, in den Petersburger Medien hohe Wellen geschlagen habe.
Müll aus Köpfen schaffen
Am Freitag fand sozusagen die «Rück-Aktion» statt: Im Beisein der populärsten Lokal-Medien sowie einer Tourismus-Delegation St. Petersburgs vereinigten Mchedlidze und Michel die Bruderseen mit einer Portion Wasser aus dem Blauen See. Zusätzlich zeugt nun eine Tafel am Ufer beider Seen von deren Partnerschaft. «Man kann noch so viele Kliniken haben – solange die Umwelt beschädigt ist, nützt alles medizinische Können nichts», wandte sich Mchedlidze feierlich an die Anwesenden. Die Botschaft des stolzen, charismatischen Russen an die Bevölkerung St. Petersburgs: «Schafft den Müll, dass ihr euren Müll in der Natur entsorgt, aus euren Köpfen! Nehmt euch ein Beispiel an Davos, sodass St. Petersburg dereinst nicht nur als pulsierende Wirtschaftsstadt, sondern auch als Erholungsparadies berühmt sein kann.»
Russische Investoren?
Davos als ökologisches Vorbild: Eine vielversprechende Message nach Russland. So nutzte denn auch Michèle Suter, interimistische Leiterin der Marketingabteilung der Davos Destinations-Organisation (DDO), die Gelegenheit, sich mit der petersburgischen Tourismus-Delegation auszutauschen – und in einem Fernsehinterview die touristische Botschaft und das Gästeangebot von Davos Klosters zu präsentieren. Zu hoffen, dass das Brudersee-Projekt und die damit verbundene Medien-Präsenz in Russland Investoren ins Landwassertal locken könnte, ist nach Meinung Michels wie auch Mchedlidzes durchaus berechtigt. Der Landammann warnt allerdings vor allzu grosser Euphorie: «Wir müssen selbstkritisch genug sein und dürfen nichts überbewerten. Investoren zu finden ist kein leichtes Spiel. Hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Demzufolge ist die See-Partnerschaft allemal von Nutzen.»
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