Zentrum der Allergieforschung
13.07.2009
Archiv Davoser Zeitung
In einem feierlichen Akt wurde gestern im Landratssaal der Kooperationsvertrag für das Christine Kühne Center for Allergy Research and Education (CK-Care) unterzeichnet. Das an der Hochgebirgsklinik Davos im Wolfgang domizilierte und in Davos mit dem SIAF zusammenarbeitende Zentrum soll ein weltweites Leuchtturmprojekt in der Allergieforschung, -edukation
und -behandlung werden.
Barbara Gassler
Das ist zumindest das erklärte Ziel des Stifters Professor h.c. Klaus-Michael Kühne und seiner Ehefrau, der Namensgeberin des neuen Zentrums, Chris-tine. 20 Millionen Franken sollen zu diesem Zweck in den nächsten fünf Jahren in das Projekt fliessen. Das Engagement sei die Fortsetzung der Förderung einer Beratungsstelle für Kinder mit Neurodermitis an der Universität Zürich und der Zusammenarbeit mit dem heutigen Chefarzt der Kinderklinik an der Hochgebirgsklinik Davos, PD Dr. Roger Lauener, erklärte Klaus-Michael Kühne, in seiner Ansprache. «Die Idee ist, die besten Allergieforscher zusammenzuspannen, um so schneller zu einem sichtbaren Forschungsziel zu kommen.» Professor Heidrun Behrendt von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München (TU) dankte dem Stifterehepaar im Namen aller Beteiligten denn auch für den Mut, so viel Geld für diese oftmals bagetellisierte Volkskrankheit zu sprechen.
Dass es sich bei Allergien tatsächlich um unterschätzte Beschwerden handelt, unterstrichen die anschliessenden Voten. «Juckreiz? Was soll das?», fragte Professor Johannes Ring, Direktor der oben genannten Klinik, «ich habe Patienten, die leiden so unter ihrem Juckreiz, dass sie aus dem Fenster springen möchten.» Die Gruppe um Professor Ring sucht unter anderem Wege und Methoden, um das subjektive Leiden klassifizierbar und dadurch auch objektiv messbar zu machen. So könne der langfristige Erfolg einer Behandlung kontrolliert werden, führte er aus.
Schutzfaktoren erkennen
Welche Faktoren einen wirksamen Schutz für anfällige Patienten ausmachen könnten, ist einer der Ansätze, die in der Hochgebirgsklinik Davos verfolgt würden, erläuterte Roger Lauener. Dabei wird die Rehabilitation bereits erkrankter Patienten nicht vergessen. Moderne Technik, sprich eine in Davos ansässige Teleklinik über das Internet, soll hier eine langfristige Nachkontrolle möglich machen.
Klimaveränderung
Die vorangestellte Grundlagenforschung wird in diesem Kreis von dem Schweizerischen Institut für Allergie und Asthmaforschung (SIAF) vorangetrieben. Dessen Leiter, Professor Cezmi Akdis, unterstrich die Notwendigkeit dieser Anstrengungen mit der einfachen Feststellung, dass nur gerade von einem Zehntel der rund 2500 bei der Entstehung von Allergien beteiligten Genen die Funktionsweise bekannt sei. Mit den umweltbedingten Krankmachern beschäftigt man sich an der TU München. «Wegen der durch die Klimaerwärmung aus-
gelösten Höhenstürme wurden schon Birkenpollen aus der Ukraine im fernen Island nachgewiesen», berichtete Professor Heidrun Behrendt von einer der Herausforderungen. Rund die Hälfte der 20 für das neue Zentrum vorgesehenen, hoch qualifizierten Arbeitsplätze befindet sich in Davos. Je eine Arbeitsgruppe sind im SIAF und in der Hochgebirgsklinik dem CK-Care angegliedert. Und nicht zu vergessen das administrative Zentrum, das den Namen Davos einmal mehr im Zusammenhang mit wissenschaftlicher Arbeit in die Welt hinausträgt und wohin zukünftige Kongressanmeldungen geschickt werden müssen.
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