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Kein weisser Fleck

02.02.2009 Archiv Davoser Zeitung

Seit Mittwoch ist bekannt, dass im Schiabach-Quartier auf den 1. März ein Transitzentrum für Asylsuchende eröffnet wird. Diese Nachricht ruft bei der Davo-ser Bevölkerung vor allem Besorgnis hervor. Doch was genau ist eigentlich z

 

Marlène Clemenz

 

Die Räumlichkeiten an der Promenade 119, welche ehemals als Personalunterkunft und bis im Frühling 2008 als Sportlager dienten, beherbergen ab 1. März bis zu 100 Asylbewerber. Dies, weil die Zahl der Asylsuchenden in der Schweiz seit April im Steigen begriffen und eine Trendwende nicht in Sicht ist, wie das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit des Kantons Graubünden in einer Medienmitteilung begründet. In der Davoser Bevölkerung stösst diese Nachricht vor allem auf Skepsis.
Doch Heinz Brand, Vorsteher des Amts für Polizeiwesen und Zivilrecht Graubünden, ist überzeugt: «Die Davoser werden vom Asylheim weit weniger spüren, als sie befürchten.»

 

Vorwiegend Arbeitsfähige
Laut Brand werden im Transitzentrum Davos Asylsuchende verschiedenster Nationalitäten, alte wie junge, Einzelpersonen wie Familien, untergebracht. Ein schweizweit bewusst gewählter Mix, welcher einseitige Ballungen und die Attraktivität einzelner Kantone als Aufnahmedestination schmälern soll. «Ein weiterer Vorteil dieses Verteilschlüssels ist die erhöhte Flexibilität bei der Integration der Asylbewerber in den Erwerbsprozess», so Brand. Graubünden verfügt mit 27,2 Prozent gesamtschweizerisch über die höchste Quote der erwerbstätigen Asylsuchenden. Zum Vergleich: Die nächsthöchste Quote erreicht der Kanton Genf mit 18,2 Prozent. Auch nach der Schliessung des Durchgangszentrums in der ehemaligen Basler Klinik 1995 sei das Landwassertal kein «weisser Fleck» gewesen, so Brand. «Etliche Asylbewerber des Kantons Graubünden hatten bereits bisher bei verschiedenen Arbeitgebern in Davos eine Stelle», erklärt er. So werde das Transitzentrum am Schiabach denn auch zahlreichen Arbeitsfähigen und Arbeitswilligen Platz bieten. Diese würden erfahrungsgemäss, sobald sie einen Job gefunden haben und dies möglich ist, zum Arbeitgeber ziehen.

 

Erhöhte Deliktsrate?
Jene Asylbewerber, die aus gesundheitlichen oder familiären Gründen erwerbsunfähig sind, erhalten vom Kanton einen Unterstützungsbeitrag. Dieser beläuft sich bei einer Einzelperson auf 11 Franken pro Tag, bei einer Familie mit zwei Kleinkindern auf 40.60 Franken, wobei die Dauer eines Asylverfahrens durchschnittlich 8 bis 36 Monate beträgt. Das Transitzentrum ist ein Heim im übertragenen Sinne, denn die Bewohner führen ihren Alltag nach ihrem persönlichen Gusto und versorgen sich selbst. Die Heimbetreuer bieten hauptsächlich beim Vermitteln von Arbeitsstellen Unterstützung und übernehmen eine Kontrollfunktion. «Viele Leute befürchten, dass ein Asylheim eine erhöhte Kriminalitätsrate vor Ort bedeutet», bedauert Brand. Dem sei erprobtermassen überhaupt nicht so. «Natürlich können geringfügige Delikte wie Kleindiebstahl nie ausgeschlossen werden», meint er. «Aber dies kann auch bei Kurzaufenthaltern und ständig in der Schweiz lebenden nie ausgeschlossen werden. Zudem werden die Asylbewerber auch von der jeweiligen Heimleitung beobachtet, Auffälligkeiten werden registriert. Deshalb nochmals: Ich bin mir sicher, dass die Davoser vom Transitzentrum weit weniger spüren werden, als sie befürchten.»

 

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