«Knapp am Burnout vorbei»
13.12.2010
Archiv Davoser Zeitung

Der langjährige Verwaltungsrat, CEO und Geschäftsführer der Monsteiner Biervision, Andreas Aegerter, geht. Seine Stelle übernimmt Carlo Wasescha.
Nachdem die Brauerei in den letzten Monaten turbulente Zeiten erlebt hat, sollen nun ruhigere Gewässer angesteuert werden.
Andreas Frei
«Es ist Zeit für einen Wechsel», sagt Andreas Aegerter, Geschäftsführer der Monsteiner Brauerei – und Mann der ersten Stunde. Sein Engagement sei «einzigartig» gewesen, betonte denn auch Verwaltungsratspräsidentin An-nemarie Hew, als Aegerter gestern seinen Rücktritt offiziell bekannt gab.
Aegerter sagt, dass sich bei ihm in den letzten eineinhalb bis zwei Jahren «Ermüdungserscheinungen» gezeigt hätten. «Die Brauerei war schon so etwas wie mein Baby. Es war mir wichtig, dass die Arbeit immer auch Spass macht.» Dies sei in letzter Zeit nicht mehr immer der Fall gewesen. Er habe zwar immer gewusst, dass er nicht hier pensioniert werden würde, doch nun fehle ihm wirklich die nötige Motivation. Die vergangenen Monate hätten extrem viel Energie gekos-tet. «Nun ist die Bierflasche leer, könnte man sagen. Deshalb will ich mich neu orientieren», zieht Aegerter Resümee. Damit habe er Zeit, sich auch gesundheitlich etwas zu erholen. «Ich bin knapp an einem Burnout vorbeigeschrammt», gesteht er ein. Er habe gemerkt, dass in Davos die Gleichung Aegerter=Biervision gelte. Eine solche Identifikation sei zwar schön. «Aber wenn sie für mich zur Gleichung Freizeit=Biervision führt, kann ich überhaupt nicht mehr abschalten. Im letzten Sommer konnte ich einfach nicht mehr», begründet er seine Ende September eingereichte Kündigung. Diese habe emotional zu einer Erleichterung geführt.
«Ein Segen»
Mit Carlo Wasescha, der heute in der Molkerei Davos arbeitet und dies – mit reduziertem Pensum – auch künftig tun will, habe man einen motivierten und qualifizierten Nachfolger gefunden, ist Aegerter überzeugt. Es sei ein Segen, dass so schnell ein Ersatz bereitstehe – denn eigentlich habe er eine einjährige Kündigungsfrist. Nun könne er das Zepter schon Mitte Monat übergeben, stehe danach aber beratend weiter zur Verfügung.
Die Monsteiner Brauerei hatte in den letzten Monaten mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Zurückzuführen waren diese vor allem auf die im Oktober 2009 installierte neue Abfüllanlage. Diese sollte die Kapazität des Unternehmens eigentlich ganz entscheidend steigern. Weil die Maschine nicht wie gewünscht funktionierte, trat das Gegenteil ein. Die Biervision konnte ihren Verpflichtungen nur mit grossem personellem Aufwand nachkommen – teilweise wurde fast rund um die Uhr gearbeitet. Weil die Abfüllanlage nicht wie gewünscht funktionierte, musste das Monsteiner Bier sogar per Lastwagen ins Unterland geschafft werden, um dort in Flaschen abgefüllt zu werden.
Das ganze Problem führte nicht nur zu Mehraufwand, sondern auch zu einem dicken Minus in den Büchern – auf rund eine halbe Million Franken soll es sich belaufen. Der Lieferant der untauglichen Anlage hat inzwischen Konkurs angemeldet.
Optimistischer Blick in die Zukunft
Dank einer neuen Abfüllanlage, die schon kurz nach Neujahr zur Verfügung stehen wird, soll alles besser werden. «Wenn die neue Abfüllung läuft, beruhigt sich die Lage», ist Aegerter überzeugt. Und auch Carlo Wasescha blickt optimistisch in die Zukunft. Er habe zwar bislang mit der Bierproduktion nichts zu tun gehabt. «Aber da wachse ich schon rein», meint der 31-jährige Lebensmittelingenieur lachend. Die technischen Probleme hätten Kapazitäten gebunden, die künftig wieder für die Kundenakquisition eingesetzt werden könnten.
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