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«Unternehmen Davos»

30.12.2009 Archiv Davoser Zeitung

In meiner Antrittsrede vom 15. Januar 2009 hielt ich fest, dass wir alle zum «Unternehmen Davos» gehören und wir als Landrat uns zum Wohl dieses Unternehmens mit Einheimischen und Gästen einzusetzen hätten. Als unabdingbare Voraussetzung für die Ratsführung erachtete ich ein respektvolles Umgehen mit Anders-denkenden.

 

Dino Brazerol, Landratspräsident

 

Im Jahre 2009 konnten wir in 8 Sitzungen 55 Geschäfte behandeln, und in 3 Volksabstimmungen wurde über 10 kommunale Vorlagen abgestimmt.
Die folgenden Fragen müssen wir uns heute gefallen lassen:
– Kann sich Davos ein eigenes, so gut eingerichtetes Spital leisten?
– Haben wir zu viele Steuergelder in unser Wellnessbad und die Sportanlagen inves-tiert?
– War es richtig, zuerst über das Kongresszentrum und später im Budget über Mehreinnahmen abzustimmen?
Ich finde es nach wie vor richtig, wie Volk und Rat entschieden haben. Hätte man in der Vergangenheit nicht so viel Mut gezeigt, wäre Davos nicht das, was es heute ist. Wenn wir Zuzüger oder Zweitwohnungsbesitzer fragen, warum sie Davos als Wohnsitz oder als Ferienort gewählt haben, erhält man oft die Antwort: «Weil Davos ein Ort mit einem städtischen Angebot ist. Kaum ist der Ort verlassen, sind wir bereits in ländlicher Idylle mit seiner walserschen Bauweise.»

 

In Davos gibt es viel

 

Seien wir stolz auf das, was getan worden ist, und vergessen wir nicht, was es in Davos alles gibt. Ende November, wenn andere Ferienorte noch richtig im Tiefschlaf sind, fängt bei uns die Saison mit dem «Blick»-Langlauf an. Dieser Sportwoche folgen die grossen AO- und weitere Kongresse bis hin zu «Davos Nordic».
All dies hat aber auch seinen Preis. Darauf und auf die Ausgaben der Gemeinde werden wir in Zukunft noch öfters zu sprechen kommen, denn unsere Volksvertreter haben den schwierigen Auftrag, die Ausgaben mit den heutigen Einnahmen ins Lot zu bringen. Sie haben aber auch die nicht unbedingt angenehme Aufgabe, aufzuzeigen, wie man die hohen Investitionslasten in den nächsten Jahren abbauen kann.

 

Wichtige Aufgaben für die Zukunft

 

Trotzdem sind solche Aufgaben für einen Politiker interessante Herausforderungen, verlangen aber ein intensives Einarbeiten in die Materie, um damit ein fundiertes Wissen zu erhalten. Dabei sollte aber auf keinen Fall das Augenmass verloren gehen. Es darf auf keinen Fall sein, dass wichtige Errungenschaften der letzten Jahre dem Spardruck zum Opfer fallen. Zwei wichtige Aufgaben stehen in nächster Zeit im Vordergrund: 1. Finanzen, 2. Einschränkung des Zweitwohnungsbaus.

 

Mindere Steuereinnahmen

 

Der Grosse Rat des Kantons Graubünden beschloss, dass es ab dem Jahr 2010 Steuererleichterungen geben wird. Weil der Gemeindesteuersatz von der Kantonssteuer abhängt, wird auch die Gemeinde Davos weniger Steuereinnahmen haben. Dazu kommen vermutlich rezessionsbedingte Mindereinnahmen auch in unserer Gemeinde. Die hohen Investitionen der letzten Jahre müssen weiterhin verzinst werden, sodass der Gemeinde Davos schlussendlich einige Millionen Franken fehlen werden. Wir sind zurzeit an der Ausarbeitung eines Verzichtprogrammes und hoffen, dass ein Teil des Fehlbetrages auf diese Weise ausgeglichen werden kann. Über eines müssen wir uns aber klar sein: Auf Komfort, auf Gewohntes und uns Liebgewordenes zu verzichten, wird in jedem Fall schmerzhaft sein. Ich hoffe aber fest – und davon bin ich auch überzeugt – dass wir eine für alle einigermassen tragbare Lösung finden werden.

 

Davos ist auf das Mittun aller angewiesen

 

Die Politik kann nur gute Lösungen finden, wenn wir alle bereit sind, am Wohl unserer Gemeinschaft mitzuarbeiten, an einem vielfältigen Gedeihen mitzuwirken. Als Volksvertreter sind wir auf die Meinungsäusserung unserer Wählerschaft angewiesen. Kritik ist notwendig, aber sie sollte konstruktiv sein. Wir brauchen Leute, die mitdenken und bereit sind, Verantwortung mitzutragen.

 

Wertvolles Jahr

 

Mit dem Amt des Landratspräsidenten sind häufige Repräsentationspflichten verbunden. So durfte ich an vielen ganz verschiedenartigen Anlässen den Grossen Landrat vertreten. Für mich war dies ein Jahr mit vielen interessanten Begegnungen, wertvollen Gesprächen und herausfordernden Aufgaben.
An dieser Stelle danke ich allen, die mich als Landratspräsident unterstützt haben. Für das Jahr 2010 wünsche ich allen gute Gesundheit und viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen in einer Landschaft, für die es sich lohnt, sich einzusetzen.

 


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