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Eigentlich war alles aufgegleist mit dem Wiederaufbau der Wiesner Alp nach dem verheerenden Brand. Im Mai nach der Schneeschmelze hätte mit den Arbeiten begonnen werden sollen. Hätte. Wenn sich da nicht ein «Komitee» gebildet hätte, welches es wohl fertigbringen wird, den Baubeginn zu verzögern.
Hans Zimmermann
Wie gesagt: Es war alles auf bestem Weg. Die Wiesner sind nach dem Brand nicht verzagt. Haben sofort nach dem ersten Schock beschlossen: «Jetzt erst recht: Wir bauen wieder auf.» So hat sich unter der Führung von Gemeindepräsident Reto Dürst rasch ein offizielles Komitee gebildet, dem vor allem auch geschädigte Hüttenbesitzer angehören. Ziel des Komitees war es, rasch abzuklären, welche gesetzlichen Vorgaben und Modalitäten abzuklären seien, damit ein Wiederaufbau möglichst rasch und zügig an die Hand genommen werden könne. Klar war dabei, dass die Gebäudeversicherung ein gewichtiges Wort mitreden würde, ebenso die Denkmalpflege. Es schien dem Komitee auch sinnvoll, den Bündner Heimatschutz zumindest informativ zu involvieren, genauso wie die Schweizerische Berghilfe. Zu jedem Zeitpunkt in dieser Planungsphase war allen klar, dass letztlich die Gemeinde und die Geschädigten – und nur die Gemeinde und die Geschädigten über das Wie des Wiederaufbaus bestimmen würden.
Der Stein des Anstosses
Klar war von allem Anfang an: Die Brandversicherung würde es nicht zulassen, dass alle 14 verbrannten Hütten am ursprünglichen Standort wieder aufgebaut würden. Die Abstände zwischen den Rundholzbauten im Walserstil waren zu gering. Somit musste auf «Bauen im Hofstattrecht» verzichtet werden – es sei denn, man hätte beschlossen, die Holzhütten durch gemauerte zu ersetzen. Genau dies wollte man nicht. So kam man mit den geschädigten Besitzern überein, einen Teil der zerstörten Hütten an einem neuen Standort, etwas dezentralisiert wieder aufzubauen. Noch nicht beschlossen ist, ob dieser Wiederaufbau im «Ballenberg-Stil» erfolgen soll, oder ob die neuen Hütten «zeitgemäss und angepasst» sein sollen. Jedenfalls wurde die Planung einer «Musterhütte» in Auftrag gegeben, damit ersichtlich werde, wie sich das aufs Gesamtbild auswirken würde. Hier nun wurde der Bündner Heimatschutz tätig und liess auf seine eigenen Kosten einen Prototypen für eine mögliche Alphütte sowie ein Modell der Alp als solcher erstellen. So weit, so gut.
Das verheerende Inserat
Gegen dieses Vorgehen der Gemeinde wehrt sich nun ein Komitee «Wiederaufbau Wiesner Alp im Walserstil – Heimatschutz so nicht!» mit Händen und Füssen. In einem halbseitigen Inserat in der «Südostschweiz» vom Freitag griff das «Komitee Wiederaufbau Wiesner Alp im Walserstil» vor allem den Bündner Heimatschutz massiv an, indem es feststellt, der Heimatschutz torpediere den Wiederaufbau der Wiesner Alp. Ausser dem Inserat wurde auch ein dickes Rundschreiben breit in der Gemeinde gestreut, welches schlimmste Horrorszenarien an die Wand malt. Gegen Jürg Ragettli, Präsident des Heimatschutzes, drohte das «Komitee» gar mit einer Strafklage.
Gemeinde bleibt gelassen
Natürlich musste die Gemeinde auf diese Anwürfe reagieren, und sie tat dies auch mit einem Rundschreiben vom Samstag an die Bevölkerung. Dasselbe ist gelassen gehalten, stellt aber unmissverständlich fest, dass es dem Heimatschutz nicht darum gehe, einen Wiederaufbau zu torpedieren, sondern vielmehr gemeinsam optimale Lösungen zu finden. Doch ebenso deutlich stellt die Gemeinde fest, dass es nicht angehe, etwas zu verurteilen, bevor man wisse, um was es sich handle. Jedenfalls erwarte man seitens der Gemeinde auch den «Prototyp der neuen Hütte» auf den Mai mit Spannung und werde dann demokratisch und in Ruhe abstimmen. Reto Dürst gibt indessen zu: «Verzögerungen und damit Verteuerungen sind wahrscheinlich.»